Fatigue ist mehr als Müdigkeit.

Wenn man müde ist, geht man schlafen und wacht nach rund 7 Stunden ausgeruht auf. Soweit die Theorie. In der Wirklichkeit einer Krebserkrankung sieht es oft anders aus. Die Müdigkeit, die viele Patienten erleben, geht viel tiefer und verschwindet nicht über Nacht. Fachleute nennen es „tumorassoziierte Fatigue“ [ausgesprochen: Fatiegh], ein französisches Wort für Ermüdung und tief gehende Erschöpfung. Fatigue ist ein häufiges Phänomen während oder auch nach Beendigung der Therapie. Wer unter Fatigue leidet, fühlt sich quälend schwer, ausgelaugt und niedergeschlagen. Es fällt schwer, den Tag zu beginnen, sich zu freuen oder zu konzentrieren. Mut- und Antriebslosigkeit nehmen immer mehr Raum ein.
Wie bei einer Batterie die tief entladen ist, scheinen die Energiespeicher weit über die Reserven hinaus geleert zu sein. Woher kommt das?
Diese Art der tiefen Erschöpfung hat viele mögliche Ursachen. Man geht davon aus, dass körperliche und seelische Faktoren zusammentreffen, z. B.

– Blutbild- und Stoffwechselveränderungen durch die Krebszellen selbst oder als 
Nebenwirkung der Therapie
– Nährstoffmangel, der durch ein verändertes Ernährungsverhalten oder Medikamente entstehen kann
– Ängste, Verunsicherung, veränderte 
Beziehungen
– hormonelle Unregelmäßigkeiten
– Schmerzen
– Schlafstörungen

und anderes.

Wer von Fatigue betroffen ist, gerät möglicherweise in eine Abwärtsspirale aus zunehmender Schwäche, verstärkter Vermeidung von anstrengenden Tätigkeiten und dadurch weiterem Kraft- und Appetitverlust. Körperliche Beschwerden und ein verändertes Haut- und Körperbild können die Folge sein. Der Erkrankte realisiert diesen Verlauf und fühlt sich gleichzeitig viel zu erschöpft um neue Wege zu gehen.

Es gibt Quellen für neue Kraft!

Zum Beispiel diese:
Achtsamkeit. Den Augenblick leben.
Wann haben Sie zum letzten Mal geatmet?
Achtsamkeit bedeutet, genau diesem Augenblick die volle Aufmerksamkeit zu widmen und alles andere in den Hintergrund treten zu lassen. So wie wir ein Schiff am Horizont durch ein Fernrohr betrachten, oder einen Schmetterlingsflügel mithilfe einer Lupe bewundern – unwichtiges wird ausgeblendet, unsere Energie für das Beachtenswerte gebündelt. Achtsamkeit lässt sich trainieren und wird sehr erfolgreich in der Therapie unterschiedlicher belastungsbedingter Symptome eingesetzt.
Akupunktur
Akupunktur wirkt allgemein anregend auf die Selbstheilungskräfte und regulierend auf Störungen im Wohlbefinden. Die Stimulierung bestimmter Akupunkturpunkte an Ohr und Kopf hat einen nachhaltig entspannenden, angstlösenden und emotional ausgleichenden Effekt. Diese Form der Akupunktur hat sich unter anderem bei Schlafstörungen, Erschöpfung, nächtlichem Schwitzen und dauernder Müdigkeit als hilfreich erwiesen.
Andere Menschen
Eine Krebserkrankung hat Auswirkungen auf das gesamte Umfeld – Familie, Nachbarn, Freunde, Kollegen. Die ausgeprägte Kraftlosigkeit des Patienten führt oft zu einem Rückzug aus dem Kreis nahestehender Menschen. Einfühlsames Verstehen, unaufdringliches Dranbleiben und Ermutigen sind hilfreich. Wenn Angebote für gemeinsame Aktivitäten nicht freudig angenommen oder sogar wiederholt abgelehnt werden, ist das nicht immer einfach. Lassen Sie sich als Freund oder Angehöriger nicht entmutigen. Nehmen Sie es auf keinen Fall persönlich. Bleiben Sie im Gespräch!
Aromatherapie
Der Duft von frischem Kaffee am Morgen, frisch gewaschene Wäsche, im Garten getrocknet, der Wohlgeruch eines blühenden Rosenstrauches, die ersten Orangen im Herbst … manche Aromen haben die Macht, Herz und Seele tief zu berühren. Sie können zu neuer Freude und einem gesteigerten Antrieb verhelfen. Viele Aromaöle haben neben ihrer Wirkung auf die Psyche auch Wirkungen auf den Körper: sie können den Kreislauf anregen oder beruhigen, Husten lösen, Schmerzen lindern, Blähungen vertreiben und vieles mehr.
Begegnung mit Tieren
Winston Churchill soll einmal gesagt haben: „Pferde haben etwas an sich, das gut ist für die menschliche Seele.“* Ein Pferd vermittelt Kraft, Sanftheit und Wärme. Es zu berühren, auf seinem Rücken zu sitzen, „obenauf“ zu sein, kann helfen, Abstand zur Erkrankung und eine neue Perspektive zu gewinnen.
Auch ein Hund kann enorm hilfreich bei der Überwindung krebsbedingter Erschöpfung sein. Ein Hund nimmt den Menschen ohne Bedingung an, wie er ist. Niemand muss etwas leisten, nur „da sein“. Notwendige Spaziergänge an der frischen Luft sind dann das Tüpfelchen auf dem i für gute Laune und erstarkende Kräfte.

*Im Original: „There is something about the outside of a horse that is good for the inside of a man.“
Bewegung
Viele Tumorpatienten bewegen sich aus unterschiedlichen Gründen zu wenig. Studien zeigen, dass eine regelmäßige, der aktuellen Leistungsfähigkeit des einzelnen Patienten angepasste Aktivität, den Verlauf der Erkrankung und die Lebensfreude deutlich verbessern! Muskulatur, Kreislauf und Körperfunktionen werden bestmöglich erhalten, das körperliche und seelische Wohlbefinden gefördert, das Immunsystem gestärkt, Verdauung und Schlaf verbessert. Hier wird Ermutigung und eine „ausgestreckte Hand“ gebraucht; Menschen, die motivieren und mitgehen. Es geht nicht darum, Leistung zu erbringen, sondern sich selbst Gutes zu tun!,
Essen und Trinken …
… hält Leib und Seele zusammen! Medizinisch sinnvolle Lebensmittel, die gleichzeitig Auge und Gaumen Freude bereiten, sind tatsächlich Mittel zum Leben und Kraftstoff für den Lebensmotor.
Gebet
„Not lehrt beten“, heißt es. Denn das Gebet bedeutet, sich dem Schöpfer mitzuteilen: mit-geteiltes Leid, Traurigkeit oder auch Anklagen tragen sich so leichter.
Pflanzliche Medikamente
Es muss nicht immer die „chemische Keule“ sein. Es gibt – auch durch Studien belegt – gut wirksame pflanzliche Medikamente die die Psyche widerstandsfähiger machen und zu einem verbesserten Schlafverhalten beitragen.
Wasser
Wasser ist lebensnotwendig. Nicht nur zum Trinken – die äußerliche Anwendung von Wasser, ob kalt, warm oder wechselwarm, in Form von Waschungen, Bädern, Güssen oder Wickeln, hat unglaublich vielfältige Wirkungen. Die sogenannte Hydrotherapie kann unter anderem den Kreislauf anregen und den Blutdruck regulieren, bei Schlafstörungen unterstützen und Schmerzen lindern.

 

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